Dresden – 29.01.2026 – Die VRFF in der Dresdner Semperoper streikt: sie hat am frühen Donnerstagmorgen für den ganzen Tag die Arbeit niedergelegt – und das bis tief in die Nacht – und folgt damit wie weitere 5.500 Beschäftigte im öffentlichen Dienst Sachsens dem heutigen Streikaufruf des Deutschen Beamtenbundes (dbb). Denn die Arbeitgeber der Länder haben in den Tarifverhandlungen bisher nur abgelehnt, was auf den Tisch kam. Dabei ist die Arbeitssituation vieler, wie auch in der Semperoper, nicht akzeptabel, erklärt Jens Kühn von der VRFF in Dresden.
SOLIDARITÄT
Jens Kühn, Tarifbeauftragter der VRFF-Betriebsgruppe der Semperoper, und seine Kolleginnen und Kollegen sind wütend. Denn auch in der zweiten Verhandlungsrunde hat die Arbeitgeberseite, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, sind sich Jens Kühn und Nannette Seidler vom Sächsischen Beamtenbund (SBB) einig. Stattdessen, so Seidler, habe die TdL in den vergangenen zwei Verhandlungsrunden vor allem auf Ablehnung gesetzt. „Wenn die Arbeitgebenden meinen, streiken zu müssen, machen wir das konsequent auch.“ So legen VRFF und SBB heute gemeinsam die Arbeit nieder.
Der Grund im Bereich der Bühnen: „Die Arbeitsbelastung ist zu hoch“, so Kühn, der in der Semperoper als Dekorateur arbeitet. „Die normale Arbeitszeit reicht für das hohe Arbeitsaufkommen nicht aus; wir leisten immer wieder Mehrstunden, und das bei harter körperlicher Arbeit.“ Dazu kämen häufig wechselnde Schichten und Dienstzeiten; auch verschöbe sich immer wieder das Dienstende bis tief in die Nacht. Proben am Vormittag, Aufführungen bis in den späten Abend, Bühnenumbauten bis in den Morgen, bei fast 300 Veranstaltungen in der aktuellen Spielzeit. „Das ist eine enorme körperliche Belastung, und die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf leidet darunter“, so der Tarifbeauftragte der VRFF in der Semperoper. „Wertschätzung sieht anders aus, Fürsorge für die Beschäftigten auch“, fügt Kühn hinzu.
Wie sich das bessern solle, könne er sich derzeit nicht vorstellen: „In den letzten 20 Jahren ist erheblich Personal abgebaut worden, das vom Freistaat vertraglich zugesicherte Probebühnenzentrum ist noch immer nicht da, und für die Haushaltsjahre 2027/28 hat Sachsen erhebliche Kürzungen der Mittel für die Kultur angekündigt“.
Zusätzlich ärgern sich Kühn und seine Kolleg*innen über die noch immer bestehende Ungleichheit zwischen Ost und West, auch 36 Jahre nach der Deutschen Einheit: „Wir arbeiten nach wie vor eine 40-Stunden-Woche. Die Kolleginnen und Kollegen im Westen haben eine 38,5-Stunden-Woche“. Das klinge nach wenig Unterschied, erklärt Kühn, „doch aufs Jahr gerechnet können sich unsere Westkolleg*innen acht Tage länger von den Anstrengungen ihrer Schichten erholen als wir; das spüren wir deutlich in den Knochen“.
Von den Verhandlungen zum TV-L sind nicht nur die Beschäftigten von Kultureinrichtungen betroffen. Auch Angestellte im öffentlichen Dienst wie Lehrkräfte, Verwaltungsangestellte, Erziehende und Pflegekräfte in Landeskrankenhäusern fallen darunter, teils in Berufen, in denen erheblicher Personalmangel herrscht.
Insgesamt etwa 3,5 Millionen Beschäftigte der Länder erwarten einen angemessenen Tarifabschluss. Die ablehnende Haltung in den ersten beiden Tarifrunden sei „enttäuschend“ hält Volker Geyer fest, Verhandlungsführer des dbb, unter dessen Dach auch die VRFF Die Mediengewerkschaft organisiert ist. „Wie die TdL konkurrenzfähig bleiben will, wie sie die immer drängenderen Personalprobleme in den Griff kriegen will und wie die TdL schließlich verhindern will, dass die guten Leute zu anderen Arbeitgebern abwandern, darüber haben wir nichts erfahren“, so Geyer weiter.
Die Beschäftigten der Länder fordern unter anderem eine tarifliche Erhöhung um sieben Prozent, mindestens aber 300 Euro monatlich sowie eine Erhöhung der Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte.
Quelle: vrff.de
